Übersicht: Was ist wichtig, um mich gut abzusichern?

Was ist wichtig, um mich gut abzusichern?

Keine Sorge, im Grunde gar nicht so viel. Jede Frau kann ohne großen Aufwand für sich vorsorgen. Egal, ob sie gerade zu arbeiten beginnt oder älter ist, verheiratet oder Single, ob sie Kinder hat oder nicht. Auch mit kleinen Beträgen lässt sich was anstellen - und wenn das Guthaben langsam wächst, beginnt das Ganze sogar Spaß zu machen. Hier ein paar Ratschläge.

Brauchen Frauen eine
besondere Absicherung?

Frauen sind in den vergangenen Jahrzehnten selbstständiger geworden. Trotzdem sind es auch heute sie, die sich um die Familie und den Haushalt kümmern. Dafür haben sie Einbußen in Job und Verdienst, die sich später schlecht auf ihre Rente auswirken. „Viele Frauen sind sich dieser Problematik gar nicht bewusst“, sagt Nicole Irmer, Allianz Vermittlerin in Wuppertal. „Dabei ist eine gute Altersvorsorge kein Hexenwerk.“ Auch bei anderen Versicherungen haben Frauen ihren Bedarf zu wenig im Blick. Nicole Irmer: „Wenn Ehepaare zu mir zur Beratung kommen, sagt der Mann oft: ‚Eine Absicherung brauche bloß ich, weil ich der Versorger bin’. Das ist ein Irrglaube. Wenn die Frau ausfällt, fällt alles aus, was sie sozusagen im Hintergrund am Laufen hält - sei es das Einkaufen, Kochen, die Betreuung der Kinder. Wenn die Frau ausfällt, muss der Mann diese Arbeiten übernehmen. Oder jemanden dafür suchen und teuer bezahlen.“

Warum gerade Frauen
vorsorgen müssen

Frauen verdienen weniger als Männer

In Deutschland liegt die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bei 22 Prozent.

Der Unterschied der Löhne von Mann und Frau rührt vor allem daher, dass typische „Frauenberufe“ wie Friseurin und Krankenschwester schlecht bezahlt sind, Frauen seltener Führungspositionen bekleiden und oft in Teilzeit arbeiten. Teilzeitarbeit ist wiederum ein Grund dafür, dass sie für besser bezahlte Jobs gar nicht in Betracht gezogen werden. Und der schlechtere Verdienst hat Auswirkungen auf die Rente.

Frauen bekommen weniger Rente

Die meisten Mütter verzichten zugunsten ihrer Familie auf Karrierechancen.

Zwei von drei berufstätigen Müttern in Deutschland steigen nach der Elternzeit nur stunden- oder tageweise wieder ins Arbeitsleben ein. Das hat zur Folge, dass sie heute weniger verdienen und morgen deutlich weniger staatliche Rente beziehen als Männer. Die durch-
schnittliche Rentnerin in Deutschland muss mit 544 EUR monatlich auskommen.

Frauen müssen länger mit ihrem Geld auskommen

Die höhere Lebenserwartung ist schön – aber das Leben muss finanziert werden.

Junge Frauen von heute müssen später fast 30 Jahre lang mit ihrem Geld durchkommen, wenn sie nach der statistischen Wahr-
scheinlichkeit 93,6 Jahre alt werden und mit 67 in Rente gehen. Damit sie ihr Leben dann noch genießen können, müssen sie finanziell gut versorgt sein. Die staatliche Rente reicht dafür in den meisten Fällen nicht.

Frauen werden eher pflegebedürftig

Weil Frauen älter werden als Männer, ist eine private Pflegeversicherung für sie besonders wichtig.

Bei Frauen ist das Pflegerisiko höher als bei Männern. Von den 80- bis 85-jährigen Frauen sind aktuell 22,9 Prozent pflegebedürftig. Bei Männern gleichen Alters sind es nur 16,6 Prozent. Um die finanziellen Belastungen einer Pflegebedürftigkeit zu mindern, ist eine private Pflegeversicherung wichtig.

Die Berufsanfängerin verdient nach ihrem Gefühl noch nicht genug, um etwas beiseitezulegen, die 35-Jährige
genießt lieber das Leben, als sich für eine ungewisse Zukunft einzuschränken. Die Mittvierzigerin hat das Gefühl, jetzt noch anzufangen, lohne sich sowieso nicht mehr. Irgendein Vorwand findet sich immer, warum Sparen für später gerade nicht geht. „Am besten ist es natürlich, so früh wie möglich anzufangen, weil dann die Beiträge für eine private Rentenversicherung niedriger sind“, sagt Nicole Irmer. Selbst mit fünfzig lohnt sich Sparen aber noch.

Checkliste

Überblick verschaffen

Bevor Sie etwas für Ihre Vorsorge tun, sollten Sie zunächst ihre aktuelle Vorsorgesituation überprüfen. „Gerade ältere verheiratete Frauen wissen oft gar nicht, ob und wie sie abgesichert sind“, sagt Nicole Irmer. „Sie verlassen sich drauf, dass ihr Mann das macht. Aber was ist, wenn der Mann sich in erster Linie um seine eigene Absicherung kümmert? Gibt es ein Testament? Wie ist für die Frau gesorgt? Das sind Fragen, die jede Frau unbedingt mit ihrem Partner klären sollte. Manchmal bietet es sich an, dass sie alleine zur Beratung kommt und sich zunächst einen Überblick verschafft, was sie mit ihrem Mann besprechen muss.“ Die Checkliste hilft Ihnen, sich zu orientieren. Was Sie wirklich brauchen, klären Sie im Beratungsgespräch.

Berufliche Situation

Eine selbstständige Unternehmerin, die nicht in die staatliche Renten-
kasse einzahlt, muss sich privat besser absichern als eine Beamtin, die einmal Pension bekommt. Für beide Fälle gilt eine jahrzehntealte Faustformel: Etwa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens brauchen Sie, um Ihren Lebens-
standard im Ruhestand halten zu können.

Familienstand

Sich darauf verlassen, dass einen der Partner versorgt, sollte man bei der Scheidungsrate besser nicht: Gut jede dritte Ehe geht zu Bruch. Verschärfend kommt das neue Unterhaltsrecht von 2008 dazu:
Es soll dafür sorgen, dass Mütter schneller wieder in den Beruf ein-
steigen und für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen.

Wichtige Unterlagen für ein Beratungsgespräch

Kostenlose Beratung zur staatlichen Rente

Gesetzliche Rente

Wie viel Rente Sie später einmal vom Staat beziehen werden, steht in der „Renteninformation“, die Ihnen die gesetzliche Rentenver-
sicherung einmal im Jahr schickt.

Rentenhöhen prüfen

Überprüfen Sie, ob die Angaben darin vollständig sind und stimmen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, lassen Sie sich beraten.

Termin im Rathaus

Im Rathaus Ihrer Gemeinde können Sie sich kostenlos zu Fragen der gesetzlichen Rentenversicherung beraten lassen. Nutzen Sie diese Möglichkeit, denn nur, wenn Sie wissen, wie viel Sie später vom Staat bekommen, können Sie errechnen, wie viel Sie zusätzlich privat ansparen müssen, um über die Runden zu kommen.

Sparen lohnt sich
in jeder Lebensphase

Berufsanfängerinnen:

Wenn man gerade zu arbeiten beginnt, ist die Rente weit weg. Aber gerade für junge Frauen lohnt es sich, mit der privaten Altersvorsorge anzufangen – zumal sich schon mit kleinen Beträgen ein solider Grundstock ansparen lässt: Wer etwa 100 EUR im Monat in die betriebliche Altersvorsorge steckt, muss in Wahrheit nur auf etwa 50 EUR seines Nettolohns verzichten.

Elternzeit:

Junge Eltern haben oft nicht viel Geld übrig – zumal die meisten berufstätigen Mütter nur stunden- oder tageweise arbeiten. Gerade deshalb ist es aber wichtig, dass sie sich für später absichern und die Versorgungslücke zur staatlichen Rente schließen – zum Beispiel, indem sie mit dem besser verdienenden Partner abmachen, dass er in eine Riester-Rente für die Frau einzahlt. Auch wenn es nur kleine Beträge sind.

40plus:

Viele Frauen kommen nicht eher dazu, regelmäßig Geld für später beiseitezulegen, haben dann aber schon resigniert. „Dabei kann man auch mit Mitte fünfzig noch eine Altersvorsorge anfangen, die sich lohnt“, sagt Nicole Irmer. Ein Tipp für Rentner: Prüfen Sie, ob Rentensplitting für Sie in Frage kommt. Dabei können Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner Rentenansprüche untereinander aufteilen.

Gute und schlechte
Beratung

Vollzeitmütter zahlen
kräftig drauf

Kinder kosten viel Geld, das ist klar. Dass Frauen in der Elternzeit darüber hinaus ein Vermögen durch den Lohnverlust entgeht, hat die Volkswirtin Christina Boll vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut vorgerechnet: Eine Frau mit mittlerem Bildungsstand, die mit 30 Jahren ein Kind bekommt, drei Jahre Elternzeit nimmt und dann noch drei Jahre halbtags arbeitet, bevor sie wieder auf Vollzeit aufstockt, verliert im Vergleich zu einer Vollzeitberufstätigen knapp 200.000 EUR, bis sie 45 ist.

Rechenbeispiel

Staatliche
„Geschenke“ nutzen

Betriebliche Altersvorsorge

Als Arbeitnehmerin haben Sie ein Recht auf eine Betriebsrente. Die lohnt sich, weil der Beitrag direkt von Ihrem Bruttogehalt abgezogen wird. Dadurch, dass Ihr Bruttogehalt niedriger wird, zahlen Sie weniger Steuern und niedrigere Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung. Unterm Strich machen sich 100 EUR Vorsorgebeitrag auf dem Gehaltszettel netto nur mit etwa 50 EUR weniger bemerkbar.

Vermögenswirksame Leistungen

bekommen Sie als Auszubildende, Beamtin und Angestellte: Ihr Arbeitgeber schießt monatlich bis zu
40 EUR zu Ihrem Sparplan dazu, ob private oder betriebliche Altersvorsorge, Bank- oder Bausparplan.

Unfallversicherung

Bei Unfallversicherungen für Arbeitnehmer, die auch
berufliche Risiken mitdecken, kann die Hälfte des Beitrags
als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden.

Steuerersparnis bei Riester- und Rürup-Rente

Welche Form für Sie in Frage kommt, hängt davon ab,
ob Sie angestellt oder selbstständig sind – auf jeden Fall
fördert der Staat diese beiden privaten Rentenformen
durch Steuervorteile. Das sind schnell mehrere Hundert
EUR im Jahr.

Kosten für Kinderbetreuung

Wenn beide Elternteile arbeiten, können sie zwei Drittel der Betreuungskosten für die Kinder von der Steuer absetzen. Bei Betreuungskosten von 6.000 EUR jährlich sind also 4.000 EUR absetzbar.

Pflegegeld

Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, kann Pflegegeld beantragen. Je nach
Pflegestufe können dies bis zu 700 EUR monatlich sein.

Frauen zahlen doppelt
so viel für Pflege

Pflege

83.987 EUR

beträgt der Mittelwert der Gesamtkosten von Pflegebedürftigkeit vom Pflegeeintritt bis zum Tod bei Frauen.

Über die Hälfte davon müssen die pflegebedürftigen Frauen oder deren Familien selbst zahlen. Das ist doppelt so viel wie bei Männern, deren Pflegeleben insgesamt nur 42.221 EUR kostet. Die Berechnungen stammen von Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen. Das verdeutlicht, dass die gesetzliche Pflegeversicherung als Teilkostenversicherung im Pflegefall nicht ausreicht und private Vorsorge nötig ist. Und die Zahlen zeigen auch: Gerade Frauen sollten vorsorgen.

Für schöne Dinge
fehlt im Alter oft
das Geld

Bei Ihren Grundbedürfnissen können Sie am wenigsten sparen, denn essen und wohnen müssen Sie nun mal. Aber schon an „Lebensart“ lässt sich die Hälfte einsparen, wie das Hamburgische Welt-
WirtschaftsInstitut (HWWI) in einer Studie vorrechnet: bei Kleidung etwa, Kosmetik, Fortbewegungsmitteln und Freizeitaktivitäten. Die meisten Abstriche machen ältere Frauen demnach bei „Luxus“-Ausgaben – wie für Möbel, Reisen und weitere Annehmlichkeiten.

Schließen Sie
die Versorgungslücke

Wenn Sie in den Ruhestand gehen, wird die gesetzliche Rente deutlich geringer sein als Ihr letztes Einkommen. Die Differenz zwischen diesen beiden Beträgen bezeichnet man als Versorgungslücke. Um sie zu schließen, müssen Sie in der Zeit, in der Sie arbeiten, privat vorsorgen. Eine allgemeingültige Lösung gibt es dabei nicht – für manche ist die betriebliche Altersvorsorge genau das Richtige, für andere eine Riester-Rente. Auch Anlageformen wie Immobilien, Aktien und Edelmetalle können Teil Ihres Vorsorgemixes sein. Zur ersten Orientierung finden Sie hier einen Überblick über die gängigsten Formen der Altersvorsorge. 

Das Wichtigste auf einen Blick

Meist reichen kleine Schritte, um sich eine gute Versorgung im Alter zu sichern. Die wichtigsten Punkte haben wir hier für Sie zusammengefasst.